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Anleitung zur Benutzung von Dekompressionstabellen

von Peter Rachow

Ich will am Beispiel der Tabelle 'Deco 92' (Autor: Dr. Max Hahn ) erklären, wie eine Dekompressionstabelle benutzt wird. Bevor man/frau diese Ausführungen liest, und keine entsprechende Tabelle ("Bühlmanntabelle", Deco92, Deco2000, MN90) zur Hand hat, sollte man sich damit vertraut machen. Eine ähnliche Tabelle wie die genannten kann hier geladen werden.

1. Was kann eine Dekotabelle, wofür ist sie gut?

Mit Dekotabellen ist es möglich, die Nullzeiten und eventuell erforderlich werdende Dekompressionsstopps für Tauchgänge zu ermitteln. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die Tabelle für annähernd rechteckige Tauchprofile konzipiert wurde. Das Abtauchen geschieht mit einer "normalen" Geschwindigkeit, die Abtauchzeit wird zur Grundzeit addiert. D .h. die Zeitmessung beginnt beim Abtauchen. Die Auftauchgeschwindigkeit ist 10 m/min.

Sog. 'Mulitlevel'-Tauchgänge kann die Tabelle, im Gegensatz zu einem Dekompressionscomputer , nicht abbilden. In Grenzen ist sie jedoch verwendbar, wenn als Rahmendaten für den Tauchgang die maximale Tiefe und die Tauchzeit bis zum Aufsuchen der ersten Dekostufe (Austauchen) benutzt werden. Es werden sich aber hier deutlich längere Dekompressionszeiten ergeben.

Weiterhin können die Dekompressionszeiten für einen Wiederholungstauchgang innerhalb 24 h ermittelt werden, der nach einer bestimmten Oberflächenpause (OFP) stattfindet.

2. Der Aufbau der Tabelle:

Jede Austauchtabelle ist in Tiefen- und Zeitstufen untergliedert, so auch die hier verwendete Deco92 . Sie besteht aus einzelnen Untertabellen, die für alle Tiefen zwischen 9 und 63 Metern in 3 Meter-Schritten ablesbar sind. Außerdem kann man die sog. Nullzeit (also die Zeit, bis zu der keine expliziten Dekompressionsphasen notwendig sind) für eine gegebene Tiefe ablesen.

Beispiel: Die Untertabelle für 39 Meter Tauchtiefe:
 

Tauchtiefe [m]
Nullzeit[min.]
Grundzeit[min.]
12
9
6
3
Wdh.-
Gruppe
6
C
39
10
1
D
14
1
4
E
8'
18
3
7
F
21
1
4
10
F
24
3
6
12
G
26
4
6
15
G
28
4
8
17
G

3. Wie benutzt man die Tabelle zum Dekotauchen?

a) Bei der Planung des Tauchgangs wird die maximale Tiefe festgelegt, in die der Tauchgang führen soll. Liegt die maximale Tiefe zwischen 2 Tabellenwerten, wird der nächstgrößere Wert angenommen. Beispiel: Der Tauchgang führt in eine max. Tiefe von 47 Meter, folglich wird die Dekompressionsplanung für 48 Meter abgelesen. Selbiges gilt für die Grundzeit. Aufgerundet wird hier also stets nur nach oben.

b) Für die Grundzeit (Spalte 2) gilt: Die Grundzeit (GZ) ist die Zeit, die seit Beginn des Abtauchens verstrichen ist . Das Abtauchen gehört also zur GZ dazu. Die Grundzeit endet beim Auftauchen, also dem Verlassen der maximalen Tiefe.

c) Das Auftauchen wird mit einer Geschwindigkeit von max. 10m/min durchgeführt, es wird mit relativ konstanter Geschwindigkeit zur ersten Dekostufe durchgetaucht. Wird mit geringerer Geschwindigkeit als 10m/min. aufgetaucht, gilt als Grundzeit die Zeitspanne, die bis zur Ankunft auf dem tiefsten Dekompressionsstopp verstrichen ist.

Erfassung weiterer Rahmenbedingungen:

  • Wird der Tauchgang in sehr kaltem Wasser durchgeführt, wird eine Tiefenstufe weiter abgelesen, z. B. 42 statt 39 reale Meter.
  • Wird während der Grundzeit sehr starke körperliche Arbeit geleistet, z. B. beim Anschwimmen gegen Strömung, wird die Grundzeit um den Faktor 1,5 verlängert.


Beispiel: Ein Tauchgang führt 28 Minuten in eine Tiefe von max. 39 Meter . Nach Ablauf dieser Zeit wird zur ersten Dekompressionstufe durchgetaucht (v max. = 10 m/min). Die Taucher verweilen 4 Minuten auf 9 Metern, dann 8 Minuten auf 6 Metern und schließlich noch 17 Minuten auf 3 Metern. (siehe oben farblich hervorgehobene Zeile)

Die Gesamtaustauchzeit berechnet sich also zu:

  • 3 Minuten Weg von 39 Meter auf 9 Meter (30 Meter Tiefendifferenz, v max. 10 m/min.)
  • 4 Minuten auf 9 Meter
  • 8 MInuten auf 6 meter
  • 17 MInuten auf 3 Meter.
Gesamtaustauchzeit = 32 Minuten. Dies muss bei der Tauchgangsplanung berücksichtigt werden. In der Regel wird der Aufstieg spätestens bei einer Restluftmenge von 1000 Litern einzuleiten sein.

4. Wiederholungstauchgänge

Zwischen 2 Tauchgängen sollte eine Oberflächenpause (OFP) von mindestens zwei Stunden liegen, auch wenn die Tabelle OFPausen von 15 Minuten als minimalen Wert annimmt. Dabei sollte auch bedacht werden, dass die höchste Anzahl von sog. Mikrogasblasen im Körper ca. 40 bis 120 min. nach dem Ende des Tauchgangs nachweisbar ist (sog. 'Blasenspitze'). Die OFP sollte also deutlich länger als diese Zeitspanne sein.

Beim Wiederholungstauchgang wird die Grundzeit dieses zweiten TG mit einem Zeitzuschlag versehen. Dieser hängt ab von der Länge der OFP (Je länger, desto geringer der Zeitzuschlag) und der Wiederholungsgruppe (letzte Spalte in der Dekostufentabelle).

Wenn die Zeitdauer der OFP bekannt ist und die Wiederholungsgruppe gemerkt wurde, wird folgender Teil der Deco 92 verwendet.

Beispiel: Unser Tauchgang ist immer noch 28 Minuten in eine Tiefe von max. 39 Meter . Die Wiederholungsgruppe ist somit G . Der zweite TG soll auf max. 30 Meter führen . Nach einer OFP von 2 h führt dies zu einem Grundzeitzuschlag von 10 Minuten . Dieser ist dann bei der zweiten Dekompression als "theoretisch verlängerte Grundzeit" wirksam.

Beispiel: 2. TG auf 30 Meter, Grundzeit dort real 18 min. + Zeitzuschlag 10 min. = 28 min. Abgelesen werden die Dekompressionswerte für 30 Meter und wiederum 28 Minuten. Die Grundzeit 28 Minuten ist jedoch nicht eingetragen, also wird der nächsthöhere Wert angenommen (30 min.), siehe farblich hervorgehobene Zeile.
 

Tauchtiefe (m)

Nullzeit (min)

Grundzeit (min) Dekopause Wiederholungsgr.
9
6
3
6
B
30
10
D
14
D
14'
18
2
E
22
5
F
26
1
8
F
30
3
10
F
33
5
12
G
36
6
14
G
39
1
7
17
G
42
1
9
19
G

Es wäre theoretisch möglich, jetzt einen weiteren Wiederholungs-TG nach der gleichen Methode zu berechnen, jedoch muss eindeutig gesagt werden, dass dieses Vorgehen nicht mehr sicher ist. Die Stickstoffentsättigung bei den verschiedenen Personen einer Gruppe unterliegt einer sehr großen Streuung, da die persönliche Disposition des Einzelnen eine signifikante Rolle spielt.

Daher gilt: 2 TG innerhalb 24 h sind ausreichend. Mehr ist nicht anzuempfehlen, da insbesondere die Sättigung/Entsättigung der langsamen Gewebe nicht mehr hinreichend sicher kalkulierbar ist. Das Auftreten von Dekompressionskrankheit (Typ I, mit Muskel- und Gelenksymptomen) wird deshalb wahrscheinlicher.

(C) 1999 Peter Rachow