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DIR: Ein kurzer Blick auf eine moderne Tauchideologie

Inhalt
 
1. DIR. Doing it (b)right(ly)?
2. Sind sie ein stroke?
3. Woran erkennen sie eigentlich einen DIR-Taucher?
4 Die Gurus von DIR
5 DIR ist der Standard
6 Tauchen à la 'stroke' vs. DIR-Diving
6.1 'breathing the long hose'
6.2 streamlining
6.3 taskload
6.4 DIR-Sprache
7. Abschluss
8. Mehr Tec und DIR im Netz
Glossar zu den wichtigsten Begriffen von "DIR"
Eine psychologische Interpretation des "Tec-Diving"
(Dieser Text war ursprünglich in diesem Text zum DIR enthalten. Weil er allerdings im Lauf der eit immer länger und umfangreicher wurde und das eigentliche Thema "DIR" verlassen hat, habe ich ihn ausgegliedert. Lesen Sie hier die eine Annäherung an die psychischen Strukturen von Tectdivvern)

1. DIR. Doing it (b) right (ly)?

DIR ist nicht der alte DOS-Befehl für das Auflisten eines Verzeichnisinhaltes. "DIR" steht für 'doing it right' (dtsch. in etwa "Mach's richtig') und ist eine neue amerikanische Tauchideologie, die auch in Europa mittlerweile viele glühende, ja nachgerade fanatische Anhänger gefunden hat. Dieses taucherische Theoriegebäude wartet zuvorderst mit ganz konkreten Anweisungen in welcher Form ausgerüstet man unbedingt zu tauchen habe auf, wenn man kein ' Stroke ' sein will. Stroke ist englisch und bedeutet soviel wie "schräg".

Aber 'DIR' geht noch weiter. 'DIR' bietet neben einer 100%ig exakten Konfigurationsanleitung zusätzlich ein ganzes abgerundetes Taucherweltbild, eine vollständige Ideologie eben. Neben den bereits erwähnten Vorschriften, wie eine Tauchausrüstung zu beschaffen sein hat, hält das DIR-System nämlich noch eine Anzahl kleiner, aber feiner Merksätzchen bereit, nach deren konsequenter Befolgung es einfach keine kritischen Situationen unter Wasser oder gar Tauchunfälle mehr geben darf.

Setzen wir uns daher ein klein wenig mit der Philosophie von „DIR“ auseinander. Was will "DIR"?

DIR fordert zuerst einmal die Einfachheit der Ausrüstung: „DIR“ (bzw. die Gurus von DIR ) sagen uns, die, wie sie es nennen "Konfiguration", solle einfach sein, so einfach wie möglich. Im Internet lesen wir auf einer „DIR“-Seite exemplarisch: „ Eine gute Ausrüstungskonfiguration sollte von geradezu idiotensicherer Einfachheit sein! “ Soweit dazu, was das System seinen Anwendern an Kompetenzen zutraut. Die Aussage erscheint nicht unlogisch, aber brauchen wir dazu „DIR“? Was haben Freizeittaucher in den Zeiten vor „DIR“ gemacht? Man könnte, liest man die einschlägigen Seiten der „DIR“-Jünger nach, den Eindruck erhalten, Taucher früherer Zeiten müssten ob ihrer unzureichenden Ausrüstung und fehlerhaften Geisteshaltung massenhaft gestorben sein.

Stellen wir nun einmal kurz und einprägsam fest: Eine Ausrüstung für eine technische Sportart muss immer einfach und zweckmäßig sein . Was nicht vorhanden ist, kann schon nicht versagen. Bedarf es für diese Binsenweisheit einer neuen Philosophie oder irgendwelcher übergeordneter Standards, wie sie das "DIR"-System vorgibt zu liefern?

Manchmal mutet das Theoriegebäude des „DIR“-Systems an, wie eine Mischung aus eben jenen gerade geschilderten Binsenweisheiten und falsch verstandenen Banalitäten. Auf der Seite http://www.dir-ger.de/dir/konfig_rw.htm lesen wir:

Kann man die Funktionen des Systems nicht mit kurzen, einfachen Sätzen beschreiben, werden sie unter Wasser aller Wahrscheinlichkeit nach nicht funktionieren!

Aha. Interesssanter tauch-linguistischer Ansatz, von der eigenartigen Grammatik mal ganz abgesehen: Man versuche jetzt einmal probeweise einen normalen Taucher (oder besser noch, einen Tekk-Diver) die Funktion eines Atemreglers beschreiben zu lassen, den meisten wird es nicht fehlerfrei gelingen. Trotzdem funktioniert das Gerät i. d. R. einwandfrei. q.e.d.

Dies nur zur Demonstration, wie eine Theorie mit vermeintlichen einfachen Wahrheiten gestützt werden soll, die bei näherer Betrachtung nur noch als peinliches Bla-Bla durchgehen.

2. Sind Sie ein Stroke?

Kommen wir zum Zentralbegriff von "DIR", dem 'Stroke'. Er grenzt die "DIR"-Welt eindeutig von der restlichen Hobbytaucherwelt ab. Bei "DIR" gibt es nämlich die "Rule No. 1", also die "oberste Direktive", die da lautet: "Never dive with strokes!" Was ist also ein "Stroke"? Einfache Antwort: Ein "Stroke" ist ein "Nicht-DIR-Taucher". Allerdings ist der DIR-Taucher natürlich ebenfalls ein Hobbytaucher. Sporttaucher darf man ihn allerdings in keinem Falle nennen, denn DIR-Taucher sind richtige Tekk-Diver , und die mögen es gar nicht, wenn man sie als 'Sporties' abqualifiziert. Sporties sind 'Strokes'. Und damit, sind die Unterschiede fast erklärt, aber auch nur fast, na ja....

Wir merken uns: "DIR"-Taucher: GUT , Stroke: SCHLECHT .

Und, noch etwas Persönliches zu diesem heiklen Thema, also das "Outing": Ich gestehe: "Ich bin ein 'Stroke'!" Und eigentlich müsste ich tot sein. Ja, ich bin wirklich ein absoluter 'Stroke'. Und das schon seit weit über 20 Jahren. Eigentlich wundere ich mich selbst, dass ich noch lebe. Mehr als 1000 Tauchgänge konsequent 'Stroke' und überlebt? Kaum zu glauben! Der Mann muss mehr Glück als Verstand haben. Als "DIR"-Taucher hätte ich überlebt.

3. Woran erkennen Sie eigentlich einen "DIR"-Taucher ?

Nun, ob einer alles richtig macht ('DIR' steht ja schließlich für d oing i t r ight, s. o.), lässt sich nicht erkennen, bis Sie mit ihm getaucht sind, also i. d. R. gegen das Ende des Tauchgangs hin. Den "DIR"-Taucher erkennen Sie allerdings schon vor dem ersten Wasserkontakt. Sie müssen nur etwas genauer hinsehen, wenn Sie das nächste mal am Wasser stehen:
  • "DIR"-Taucher haben meist riesige Doppelflaschengeräte , mit denen sie alleine kaum aus dem Wasser kommen (mindestens Doppel-12, denn Monoflaschen werden nur von 'Strokes' verwendet!). Und das auch an Seen mit 40m Maximaltiefe, die man ohne Probleme auch mit einer 10-Liter-Flasche betauchen kann, wie mein Lieblingsee hier um die Ecke. Achten Sie darauf, dass die Flaschen keine Standfüße mehr haben. Die Begründung? Wie ich kürzlich auf einer "DIR"-Seite gelesen habe, sollen die Flaschen keine Standfüße haben. Im Ernst, das stand da. Die Begründung? Einfach und hydromechanisch äußerst reflektiert: Ohne Standfuss sei eine Flasche strömungsgünstiger. Ich habe mir vor Lachen schmerzend auf die Schenkel geschlagen. Bei dem Wasserwiderstand, den ein ("DIR")-Taucher so hat, ist das Weglassen der Standfüße sicher enorm effektiv. Also, "DIR"-"Argumentation" ist manchmal schon lustig.
  • Einer der Atemregler (der heißt dann 'secondary regulator', 'Oktopus' sagen wiederum nur 'Strokes', die eh' nur mit einer ersten Stufe tauchen) ist mit einem Kunststoffschlauch (Verzeihung, muss natürlich heißen 'surgical tubing') am Hals festgebunden (für den 'richtigen' 'surgical' Schlauch zahlt der richtige DIR-Taucher gerne mal DM 20,- pro Meter).
  • Er hat ein Wing Jacket (allerdings eines ohne Gummizüge, nochmals Verzeihung, muss natürlich heißen ' bungee cords ', um die Blasen). Wing Jackets mit 'bungee cords' oder gar andere Jackets (ADV, bäääähhh!) verwenden ebenfalls nur "Strokes". (Ach ja: 'bungee cords' sind deshalb verboten, weil sich in dem Jacket Lufttaschen bilden können, aus denen die Luft nicht entweichen kann, so sagte mir ein Sektenanhänger einmal. Klasse Idee: Ich habe daraufhin sofort alle 'bungee cords' aus meinem Trockentauchanzug entfernt ;-)). Außerdem hat mir neulich jemand geschrieben, dass man dann das Jacket nicht mehr mit dem Mund aufblasen kann. Tolle Begründung. Vielleicht sollte man es einfach mal probieren, statt unreflektierte Theorien weiter zu geben.
  • die Rückentrage (' back plate ') ist aus Edelstahl . Wenn Sie den Taucher fragen, wer der Hersteller sei, und er kann nicht ' Halcyon ' antworten, nennen Sie ihn ihrerseits sofort einen 'Stroke'.
  • Der Hauptregler ('primary regulator' in DIR-Sprache) hängt an einem langen Schlauch ('long hose', genau 2,1 Meter!!), unter der Achsel und 1 mal um den Hals. Alles andere ist wiederum 'stroke like'.
  • Schauen Sie auf die Flossen: Ist dort kein normales Flossenband, wie wir es schon seit Generationen verwenden, sondern eine Stahlfeder, die man normalerweise bei einem Vergaser des VW Golf findet (im Tekkk-Diver-Kauderwelsch als "springstrap" bezeichnet), ist dies ein weiteres Indiz für entweder einen findigen Automechaniker oder eben einen DIR-Taucher.
Treffen alle Indizien zu, ist der Taucher eindeutig der "DIR"-Fraktion zuzurechnen.

Aus dieser detaillierten Beschreibung kann man sehr leicht ableiten, dass "DIR" eine Art Standard sein muss. Dies trifft auch zu, denn die Ausrüstungskonfiguration ist bei DIR vereinheitlicht. Und wie Sie sich spätestens jetzt denken können: Weil DIR aus den USA kommt, muss es " in " und "cooool" sein, so wie PADI und McDonald's. Und DIR ist absolut rund, denn es ist aber mehr als ein Standard für Ausrüstungkonfiguration, es ist eine komplette Tauchphilosophie, ein System mit einer wie dargestellt äußern und inneren Komponente. Und wie jede Philosophie (oder besser "Sekte"?) hat auch "DIR", wie bereits erwähnt, seine/ihre Gurus.

4 Die Gurus von DIR

Der Ur-Gott von DIR ist ein gewisser William Hogarth Main , ein amerikanischer Höhlentaucher, der sich auf die Philosophie KISS festgelegt hatte (keep it simple and stupid). Dieser prinzipiell richtige Gedanke (sehen wir mal von "stupid" ab), der an sich nichts Neues ist (so gesehen tauche auch ich den 'Hogarthian style'), wurde von ein paar enorm wichtiger Höhlentaucherfreaks aus seiner Umgebung, ebenfalls aus den USA, aufgegriffen, dem Woodville Karst Plain Project (WKPP) . Auf diese legendäre Institution berufen sich heute noch viele Tekkk- und "DIR"-Taucher, sie himmeln sie an wie die Ägypter einst ihren Sonnengott und verneigen sich täglich 3 Mal Richtung USA.

Nach und nach wurde daraus die Tauchphilosophie "DIR" entwickelt. Ihr Ziel war es, alles was an Ausrüstung beim Tauchen benötigt wurde so weit es geht zu standardisieren. Wie "DIR" genau geht, was sie haben müssen, was sie haben dürfen und was in keinem Falle, steht heute im Internet. Quälen Sie ihre Lieblingssuchmaschine mit den Begriffen "DIR" und "diving" und legen Sie gleich einige Kopfschmerztabletten neben den PC.

Ein paar weitere Tipps, wo man im Netz richtig ergiebige Links zum Thmea "DIR" und "Tekkk"-Tauchen findet, gibt es am Ende der Seite.

Ein immens wichtiger weiterer Name ist noch ein Herr George Irvine , wohl einer der heftigsten Verfechter der DIR-Philosophie, der einen guten Teil seiner Einkünfte durch den Verkauf DIR-kompatibler uw-Scooter verdient. Elektrisch betriebene Unterwasserantriebe anderer Hersteller sind natürlich Schrott und nicht DIR-fähig.

Dann gibt es irgendwo noch eine tauchenden Zahnarzt, der sich dadurch auszeichnet, dass er in der deutschen Tekk-Mailliste Leute nach Belieben nieder macht und beschimpft, aber mehr "wichtige" Leute fallen mir so spontan nicht ein. Beenden wir hier also das In-Verkehr-Bringen von unwichtigen Namen und wenden uns wieder den Inhalten von DIR zu:

5 DIR ist DER Standard

Der oben angesprochene Wunsch nach Vereinheitlichung der Tauchausrüstung trieb in der Folge einige sehr seltsame Blüten, allerdings mit dem Ergebnis, dass man heute fallweise stets eindeutig sagen kann, ob eine Ausrüstungskonfiguration 'DIR'- oder 'Nicht-DIR-konform" ist. Die meisten sind es leider nicht (seufz!). Bei "DIR" ist nämlich alles genormt. Und was 'DIR-Standard" entspricht, kann man eben auf den einschlägigen Seiten im Internet nachlesen, s. o. Damit schließt sich der Kreis. "DIR" ohne Internet würde in etwa so funktionieren wie ein Auto ohne Treibstoff.

Der Wunsch nach Normung geht sogar soweit, dass laut der Auffassung überzeugter "DIR"-Taucher nur die Produkte bestimmter Hersteller 'DIR-konform' sind. Vorzugsweise jener, an denen die "DIR"-Obergurus Geschäftsanteile halten. Die Gurus verkaufen und die Jünger kaufen begierig und bezahlen. Aber: Da "DIR" aus U.S.A. kommt, lernen wir auch: "That's how business works, boy!"

Sinn dieser weitestgehenden Standardisierung ist es, folgt man den "DIR"-Jüngern, bei Ausrüstungsausfall, Problemen oder Schäden, jederzeit über die Ausrüstung des anderen Tauchers, ihre Funktion, Bedienung und Konfiguration, voll informiert zu sein. Auch soll der Ausrüstungstausch dabei leichter gehen, so dass bestimmte Teile während des Tauchgangs getauscht werden können. Manche behaupten sogar, dass "DIR"-Taucher unabhängig von ihrer jeweiligen Körpergröße auch die gleichen Jeans (Levis 501) in Einheitsgröße tragen müssten, damit im Falle eines Falles auch die Oberbekleidung vor oder nach dem Tauchen problemlos getauscht werden könne.

Es steht natürlich zu fragen, was über den Ausbildungsstand, die Erfahrung, das Training und das Leistungsvermögen von Tauchern zu sagen ist, die ihre Ausrüstung derart standardisieren müssen, dass sie das Gefühl haben, nur bei absolut genormter Konfiguration eine Überlebenschance für den Tauchgang zu haben. Ihre Angst geht dabei sogar soweit zu sagen: 'Never dive with strokes' (Siehe "Rule No. 1").

6 Tauchen à la 'Stroke' vs. DIR-Diving

Das Schreckensbild der "DIR"-Tauchers ist, wie bereits erwähnt, der 'Stroke'. Der Stroke taucht nicht nach "DIR", er nimmt eine zufällig zusammengewürfelte Ausrüstung (bääääähhh, wo er doch so eine schöne "DIR"-konforme von großen Tauchgurus ausgedachte haben könnte), bringt sich damit in höchste Gefahr, um sich dann todessehnsüchtig in die Fluten zu stürzen. Für den richtigen "DIR"-Taucher eine nackte Horrorvision, die ihm die kurzgeschorenen Haare senkrecht stehen lässt. Dagegen gibt es aber die 'standards und procedures' von "DIR":

Welche Elemente sind also charakteristisch für "DIR"?

6.1 'Breathing the long hose'

Ein Beispiel: Für den "DIR"-Taucher ist es z. B. völlig klar, dass ein Taucher, der in Luftnot gerät, nichts anderes zu tun weiß, als den Hauptregler des Tauchpartners aus dessen Mund zu reißen und sich an dessen Luft zu bedienen. Alle "DIR"-Taucher behaupten, genauso würde es ablaufen. Dies liegt wahrscheinlich auch zum Teil daran, dass "DIR"-Taucher oft nicht besonders viel Taucherfahrung haben und sie (oder der Partner) noch nie in Luftnot waren. Aber, wie so oft, die Gurus sagen es, und die Masse betet es unreflektiert nach. Über das Training und die taucherischen Kompetenzen solch einer Person hatten wir ja schon nachgedacht.

Für einen "DIR"-Taucher ist es unvorstellbar, dass erfahrene Taucher auch mal 1 bis 2 Minuten die Luft anhalten können (oder 20 bis 30 Sekunden in ausgeatmetem Zustand), ihren Tauchpartner anschwimmen, das Zeichen 'Habe keine Luft mehr' geben und dieser ihnen den Zweitregler reicht, der sich an exponierter Stelle seiner Ausrüstung griffbereit befindet. Dass man so etwas trainieren kann (ebenso wie die Wechselatmung, die bei "DIR"-Tauchern auch nicht gerade favorisiert wird), auch das ist für "DIR"-Taucher schwer vorstellbar. Der "DIR"-Taucher (bzw. seine Gurus) geht wohl standardmäßig immer vom größten anzunehmenden Unfall aus.

Darum hat er seinen Hauptregler an einem über 2 Meter langen Schlauch. Der Partner gerät in Luftnot, reißt normgemäß den Regler aus dem Mund seines Partners, dieser hat aber seinen Zweitregler um den Hals (mit 'surgical tubing' befestigt) und alles ist wunderbar. Und, das ist wichtige "DIR"-Maxime dieses Vorgehens: Der Partner weiß, dass eben dieser Regler funktioniert. Stimmt, denn der Besitzer hat ja gerade noch daraus geatmet.

Setzen wir diesen Gedanken fort: Wer garantiert denn, dass der Regler den der Partner um seine Hals hat, nun ebenfalls funktioniert? Die Wahrscheinlichkeit der Funktion, oder Nicht-Funktion, ist doch bei beiden Reglern grundsätzlich erst einmal gleich. Und wenn dann der Ersatzregler des edlen Spenders nicht arbeitet, reißt der dann seinerseits wieder seinen gerade noch benutzten Hauptregler aus dem Mund des Partners? Das ist dann Wechselatmung à la "DIR"?

6.2 Streamlining

Bei "DIR" ist Stromlinienförmigkeit ein absolutes MUSS. Alles was absteht, ist nicht "DIR"! Eine herunterhängende Lampe an einer 30cm langen Kordel? Nicht "DIR"! Instrumente an einem abstehenden Brettchen? Nicht DIR! Ein Atemreglerschlauch der über die Schulter geführt wird? Nicht "DIR"!

Der Begriff „streamline“ bedeutet also zuvorderst, dass natürlich nichts vom Taucher abstehen darf, was sich irgendwo verhaken könnte und zu einem Hängenbleiben ('entanglement') des Tauchers führen könnte. Als ausgewiesener „not-streamline“-Taucher kann ich konstatieren: Auch mit konventioneller Ausrüstung ist die Gefahr des Hängenbleibens äußerst gering. Ich habe diese Erfahrung häufig in Wracks und Höhlen gemacht, dass, vorsichtige und langsame Bewegungen vorausgesetzt, keinerlei Gefahr des Verhakens besteht. Nur wer sich schnell, hektisch und unkoordiniert bewegt, wird eventuell ein Problem haben.

Andererseits: Man sehe sich die mit „stages“ behängten „DIR“-Tekkies doch einmal genauer an: Soll das „streamline“ sein, ein Wasserwiderstandswert wie ein Scheunentor? Da ist mancher konventionelle Sporttaucher doch deutlich hydrodynamischer.

6.3 Taskload

Das ist das Zauberwort aus dem "DIR"-Vokabular: 'Taskload' ist die Arbeitsbelastung, etwas das unbedingt niedrig gehalten werden muss. Je höher die 'taskload', desto mehr Gefahr. Eine hohe 'taskload' ist der nackte Horror. "DIR"-Taucher haben Angst vor hoher Taskload. Sie ist die Ursache vieler Unfälle, besonders von 'strokes', denn die "DIR"-Konfiguration senkt die 'taskload' ja drastisch ab.

6.4 DIR-Sprache

"DIR"-Taucher sprechen englisch, auch wenn sie oft kein Wort Englisch können. Das liest sich dann in etwa so:

"Das 'back plate' von dem Wing ist OK, aber die 'bungee cords' sind nicht 'streamline', so dass Du ( DIR-Taucher duzen sich immer, es sei denn sie halten sich gegenseitig für A..........r, dann wird gesiezt! ) hier die 'taskload' unnötig erhöhst. Wenn dann noch ein 'entanglement' oder eine 'out-of-air-situation' kommt, geht das schnell in eine 'emergency'. Dann bringen Dir auch Deine 'side mount' angebrachten ' stages ' nichts mehr, weil da ja kein 'bottom-mix' sondern nur 'bail-out'-Gas drin ist. Du bist dann ein 'stroke', und zwar ein ziemlich toter 'stroke'."

Oder, noch besser, am 21. Januar 2003 in de.rec.sport.tauchen aufgeschnappt, wo immer mehr Tekkks aufschlagen:

"Techtaucher": ..Bouyancy shift durchs Gas bei 300bar.
Taucher: [erklärt, den Satz nicht verstanden zu haben]
"Techtaucher": Neee ... Der shift ist nix anderes als das Gewicht des Gases, dass Du durch die
Atmung rausbeamst! Ergo werden die Stages mit jedem Atemtzug den Du daraus macht leichter!

(Name der Personen ist der Redaktion bekannt, Orthographie wurde beibehalten)

Wow! Wer so redet, der muss absolut kompetent sein! " Bouyancy shift ", " rausbeamen ", " Stages ". Absolut kühl, ähhhh " cool "!

Ganz hart geht es auf der Sprachebene in der Techliste auf YAHOO zu. Mancher "Tek"-Diver ist wohl kaum der deutschen Sprache mächtig, kompensiert dieses Defizit aber über gnadenlos eingeschossene Anglizismen:

"Die Reißverschluss Abdekung hat sicher gute Seiten ... aber ich Personlich sehe den Einsatz eher bei Back-entry und Backplate, bei der Frontentry sind die Gurten gepolstert (bei mir), das hat der selbe Effekt wie eine Abdekung. Das ist nur meine Idee ... die kann aber wechseln ! "

Mein Gott. was für ein Gestammel!

7. Abschluss

Sie wissen jetzt ein ganz klein wenig über "DIR", die Philosophie (wenn man denn eine braucht) die dahinter steht, und die wichtigsten Grundbegriffe. Wenn Sie jetzt entschieden haben, dass die Zeiten, da Sie ein 'stroke' waren, vorbei sein müssen und Sie unbedingt "Tech-Diver" werden wollen, suchen Sie folgende Seiten auf: www.dir-ger.de . Dort werden Sie geholfen.

Wenn Sie dagegen der Meinung sind, dass Sie eigentlich schon sehr lange tauchen, immer noch leben, eine stabile Persönlichkeit sind und überdies auch keine Philosophie für das Tauchen brauchen, sagen Sie: " I say it loud: I'm a stroke and I'm proud! ", legen sich Sinatra's ' I did it my way ' auf und freuen sich auf den nächsten Tauchgang. Als 'stroke' Do be do be do... (ebenfalls Sinatra).

8. Mehr "Tec" und DIR im Netz

Wenn Sie es knallhart wollen: Mehr zum Thema "DIR" finden Sie im Internetz. Eine tolle Ressource sind hier insbesondere die Tec-Mailing-Listen . Eine davon gibt es bei Yahoo , jeder darf hier mitmachen, die Liste ist offen. Zum Lesen ist sie zu drollig. Da wird geschimpft, beleidigt, niedergemacht, dass es eine wahre Freude ist. Inhaltlich kommt natürlich nicht viel 'rüber von Leuten, die sich zwar einerseits für die taucherische Elite Deutschlands halten, andererseits über das Konsumentendasein von Tekk-Hard- und Software nicht sehr weit hinaus gekommen sind. Das Mitlesen lohnt sich aber in jedem Falle, man darf nur keine brauchbaren Infos zum Tauchen erwarten. Tipp: In dieser Liste wird die Geringachtung einer anderen Person dadurch ausgedrückt, dass man sie nur mit Nachnamen anspricht ("Müller, Du Depp....").

Eine kleine Leseprobe aus dieser Liste will ich noch anführen, damit man das dort herrschende Niveau in etwa einschätzen kann. So schreibt ein Poster dessen Namen zwar bekannt ist, der aber wahrscheinlich nicht genannt werden will zu einem anderen: " Du gehörst scheinbar zu den Leuten, den man auch noch sagen muss, dass in der Unterhose das Gelbe vorne und das Braune hinten ist. Und höchst wahrscheinlich weisst du auch nicht ob Gelb/Braun nun innen oder außen zu tragen ist. " Weiteres aus dieser Liste erspare ich der werten Leserschaft besser. Und die Grammatik des Schreibers sollte man besser auch nicht übernehmen.

Aus der Liste auszutreten ist übrigens gar nicht so leicht. Nach 4 Wochen konnte ich mir das Geschreibsel von Herrn Buchalsky und Co. nicht mehr antun und klickte auf "unsubscribe". Es kommt zwar prompt eine Bestätigungsmail aber ebenso noch jeden Tag eine Mail mit den gesammelten Weisheiten der Tec-Diver-Elite der letzten 24h. Mist. Aber irgendwie werde ich den Sch... schon los.

Dass die Jungs in dieser Liste teilweise ein recht heftiges Ego-Problem haben müssen, kann man auch deutlich an den gewählten E-Mail-Adressen ablesen: Dort gibt es u. a. cavediver02@....net , tekkdiver@........de , Cyklon@.........de , tec@hardcore......de oder auch doppel20@......de . Na ja, wer's braucht... Und ein paar Sitzungen beim Psychologen sind wahrscheinlich teurer, oder etwa doch nicht?

Soviel zur "YAHOO-TEC-List". unter www.dir-ger.de/contact.htm gibt es eine weitere Liste, die hat aber einen Türsteher und es dürfen nur handverlesene Leute mitmachen. Man braucht einen Fürsprecher und muss sich mit den Zielen von DIR identifizieren. Da ich beides nicht habe bzw. tue, muss ich leider draußen bleiben (schluchz!) und weiß nicht, was dort stattfindet.

Kleines DIR-Glossar

Vorsicht! Extreme Kauderwelschgefahr!

back plate

Rückentrage des Wingjackets, vorzugsweise von einer Firma names "Halcyon" und aus Edelstahl (sieht coool aus!).

bail-out

Vom engl. "to bail out" (dtsch. übertragen "Mit dem Fallschirm abspringen"): Atemgasgemisch, das von eingefleischten "Tekkkkkkk-Deivern" kurz vor dem Einschlag auf dem Boden aufgesogen wird, um den Aufprall zumindest sensorisch zu dämpfen. Meistens stark narkotisch. Der Begriff ist besonders gut geeignet für junge, unerfahrene "Tech-Diver" sich zu profilieren.

bottom-mix

Trimix oder anderes Atemgas, das während der tiefen Phase des Tauchgangs geatmet wird.

bungee cords

Die Gummizüge, die eine Wing-Jacketblase zusammenziehen. Natürlich nicht DIR-konform!

DIR-Taucher

Einer, der par defintionem alles richtig macht. Meistens sehr jung, wenig Taucherfahrung, hat aber riesigen Eifer. Taucherfahrung normalerweise nur 2 bis 3 Jahre, kehrt dem Tauchen schnell den Rücken um sich dann dem nächsten Trend zuzuwenden (meistens Gleitschirmfliegen). Weiteres Kennzeichen: Neigt zu übermäßiger Intoleranz und ausgeprägtem Dogmatismus, oft infolge argumentativer Defizite. Hat meistens mit kurz nach seinem "Advanced Open Water Diver" erklärt, er wolle "jetzt mehr in Richtung Tech-Diving gehen" oder "sich in Tec fortbilden".

long hose

Der lange Mitteldruckschlauch des Hauptreglers

Rule No. 1

Die goldene Regel des "DIR"-Tauchens: "Never dive with strokes "

springstrap

Ein "High"-Tekkkk-Ersatz für ein Flossenband. Eine Stahlfeder, die an der Flosse angebracht ist und unendliche Vorteile gegenüber dem normalen Flossenband bieten soll. Welche das jedoch sind, will sich mir nicht so recht erschließen.

streamline

Bei DIR muss jedes Teil der Ausrüstung am Körper anliegen. Ansonsten ist es nicht 'streamline' sondern 'stroke'.

stage (tanks)

Zusatzflaschen, meistens seitlich hängend (side mounted) angebracht. Allerdings nicht mit sog. "Metall-Metall-Verbindungen" befestigt, denn die sind der Horror für echte DIR-Freaks. Eine "stage" muss immer mit einem durchtrennbaren Material befestigt sein, denn DIR-Taucher haben Angst vür Dingen, die sie umbringen können.

stroke

Ein Taucher, der nicht nach DIR-Standard taucht und konfiguriert ist. Ein lebensmüder, komplett wahnsinniger, taucherisch inkompetenter Zeitgenosse.

Peter Rachow