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(C) Peter Rachow

Netztauchen - Die Foren

(Fast) jeder hat heute ein PADI-Kärtchen und mittlerweile ebenfalls (fast) jeder auch einen Zugang zum weltweiten Datennetz. Was liegt näher, als beides gnadenlos miteinander zu verbinden? Das oft wenig erbauliche Ergebnis sind dann einerseits die meistens doch eher weniger gelungenen Taucherwebseiten andererseits die sog. "Taucher"-foren im Internet bei denen sich moderne Hobbyaquanauten über alle Sparten ihres neuen Hobbies austauschen dürfen. Und wie bei allen anderen Dingen auch, gibt es auch bei den elektronischen Quasselbuden bessere und schlechtere. Und es gibt die ganz großen Katastrophen.

Hier nun die Themen dieses Aufsatzes:

Newsgroups (speziell de.rec.sport.tauchen )
WWW-Foren (speziell taucher.net )
Maillisten

Fangen wir oben an und besprechen zuerst die weniger schmerzhaften Kommunikationsmöglichkeiten....

de.rec.sport.tauchen

de.rec.sport.tauchen (abgekürzt d.r.s.t) ist eine sog. "Newsgroup". Newsgroups sind in der Mehrzahl textbasierte Nachrichtensysteme vergleichbar mit elektronischen Wandzeitungen. Die Beiträge werden überwiegend in reinem Text (ASCII, ANSI, "plain-text") geschrieben. HTML ist unerwünscht, für binäre Daten (ZIPs, Programme, Bilder) gibt es gesonderte Gruppen. Es gibt in Newsgroups folglich keine bunten und blinkenden Smilies, keine mehrfarbigen Seiten, keine bunten Bildchen etc.

Die Nachrichten werden auf dem Rechner des Nutzers erstellt und dort erst einmal zwischengespeichert. Das kann geschehen, ohne mit dem Internet verbunden zu sein. Daher eigenen sich Newsgruppen ideal für Nutzer mit Einwahlverbindungen wie Modem oder ISDN ohne Flachrate. Die Nachrichten werden zur Veröffentlichung auf einen Schwung (online) an einen sog. "Newsserver" übermittelt, den jeder Internetanbieter bereit stellt (z. B. news.t-online.de für TO-Nutzer). Dieser Server überträgt nun die gerade vom Nutzer empfangene Nachricht weiter zu den entsprechenden Servern der anderen Internetanbieter. Das Ergebnis ist, dass ein Beitrag nach einer gewissen Zeit (einige Minuten bis max. ein Tag) auf allen Newsservern der Welt verteilt und damit verfügbar ist, wenn diese Server die Gruppe führen, in die der Beitrag eingestellt wurde. Newsgruppen gibt es weltweit mehrere Hunderttausende nach Sprachen und Themengruppen geordnet. d.r.s.t wird zumindest von allen deutschsprachigen Internetanbietern geführt.

Da eine Newsgruppe bzw. das dahinter stehende Netz (das sog. "Usenet") standardmäßig kein Dienst des WWW sondern allgemein des Internet ist, kann man die dort enthaltenen Nachrichten nicht mit einem normalen Browser (wie z. B. dem Internet Explorer) lesen. Es gibt zwar einzelne Schnittstellen zwischen dem WWW und dem "Usenet" wie z. B. das Nachrichtenarchiv von Google , zum Lesen und Schreiben in diesen Gruppen benötigt man aber i. d. R. eine spezielle Software, welche im Insiderjargon als "Newsreader" bezeichnet wird. Sie sieht, nebenbei bemerkt, sehr ähnlich aus wie ein E-Mail-Programm, nur dass man eben eine Nachricht nicht an einen E-Mail-Empfänger sendet, sondern an eine Newsgruppe. Und in dieser Software liegt bereits die erste Filterstufe, die jene geistig weniger kompetenten Diskutanten aus der Gruppe fernhält, die ein entsprechendes Programm weder installieren noch konfigurieren können.

Bei d.r.s.t führte dieses Vorfilter über viele Jahre (ich beobachtete die Gruppe von 1999 bis Anfang 2004) erfreulicherweise dazu, dass die Diskussionen in der Gruppe meistens deutlich niveauvoller waren als in den WWW-Foren, auf die ich später eingehen möchte. In d.r.s.t waren bis vor einiger Zeit Themenstellungen auf hohem fachlichen Niveau möglich und damit entsprechend hochwertige "Threads" (Fachausdruck für Diskussion), was auch daran lag, dass es in dieser Gruppe einige sehr kompetente Autoren gab (bzw. teilweise immer noch gibt, wenn auch nur sehr wenige). Natürlich gab es auch immer die flachen thematischen "Dauerbrenner" wie "PADI vs. CMAS" (früher gerne bevorzugt von OWDs geführt, da aber heute fast jeder PADI-Anweiser oder zumindest Teichmeister ist, bekam man es in den letzten Jahren mit immer mehr "Professionals" zu zun), "Tieftauchen Ja oder Nein?" oder "Schädigt Solotauchen die Wirbelsäule?" (ach nein, das war etwas anderes, was aber auch solo betrieben wird...;-)) und ähnlicher Käse mehr.

Diese Themen waren aber stets sehr gut geeignet, zur allgemeinen Erheiterung beizutragen, weil man gerade damit Neutaucher und eben jene gerade erwähnten PADI-"Professionals" (was sehr oft das Gleiche ist) hervorragend auf die Bäume bringen konnte. Und dann gab es immer noch jene vordergründig vernunftbehafteten Teilnehmer, denen sofort klar war, dass solcherlei Diskusssionen sowieso zur Gänze sinnlos seien, und die diese tiefschürfende Erkenntnis anlässlich eines gerade wieder aufkommenden Dauerthemas auch sofort unter's Volk streuen mussten. Es wurde dann stets nach "Popcorn" gerufen, welches wahlweise gezuckert oder gesalzen und bisweilen mit einem Getränk geordert wurde.

Andere fühlten sich angesichts der ausufernden Meinungsdivergenzen (die oft rein persönlich anstatt sachlich geführt wurden)  als Schlichter berufen und vertraten die These, die jeweiligen Meinungsgegner sollten "doch einfach mal miteinander tauchen gehen" um sich besser kennen zu lernen. Dieser Gedanke war wohl so kurz gedacht, da half nicht mal die seit dem Mittelalter bekannte Streckbank. Ich zumindest habe mich immer gefragt, warum ich mit einem PAID -Diver aus 500 km Entfernung, der in d.r.s.t offensichtlich absoluten Unsinn schreibt, in ein Gewässer hüpfen soll, nur damit ich nicht mehr behaupten kann, dieser Mensch habe wohl wenig vertiefte Kenntnisse von dem, was er in seiner Freizeit treibt....

Aber auch d.r.s.t hat sich weiter entwickelt. Und das nicht unbedingt in eine positive Richtung. So traten in den letzten Jahren immer mehr dieser "PAID-Diver" auf den Plan und verbreiteten ihr in zahllosen ebenso teuren wie sinnlosen "Specialty-Kursen" angehäuftes Nichtwissen gezielt in der Gruppe. Manchmal wurde man sogar direkt mit den Fachkenntnissen eines just frisch brevetierten PADI-"OWD" konfrontiert und blickte unversehens in tiefste Abgründe. Standardausspruch war in etwa: "Waaaas? Du machst Dekotauchgänge? Das ist doch waaahnsinning gefährlich!?!?!? Das hat man uns jedenfalls im Kurs erklärt und der Instructor war wirklich kompetent!" Zumindest konnte man daran ansatzweise erkennen, welche Gehirnwäsche in den "Weiterbildungsangeboten" bestimmter am Markt agierender Anbieter zu laufen scheint. Beispielsweise wurde einem beständig erklärt, man sei ein verrückter Selbstmordkandidat (vulgo "armer Irrer") wenn man tiefer als 40 oder 50 Meter tauche. Bis "40 m" nehme "man natürlich Nitrox, darunter nur Trimix" verbreitete beispielsweise einmal der mit außerordentlich extensiven Kenntnissen der Materie behaftete Chefredakteur einer vermutlich mittlerweile eingegangenen aquanautischen Freizeitpostille, der gleichzeitig als Anweiser für PADI tätig zu sein vorgab. Und dann kamen, wie gesagt, gehäuft die PADI-Anweiser neuerer Provinienz. Ihr Problem ist, dass sie ja schon kraft ihrer Franchisekette deren Thesen vertreten und die Fahne hoch halten müssen, was teilweise groteske Züge annahm. In ihrer Verzweiflung behaupteten sie abschließend sogar, der Kritiker habe "das PADI-System" nicht verstanden. Was es bei PADI nicht zu verstehen gibt, verstehe ich aber wiederum nicht... ;-)

So kamen immer mehr PADIisten dazu, die die Gruppe dazu nutzten, ihre verzerrte Weltsicht des Unterwasserhobbies anderen (allerdings mitunter zu deren gehöriger Erheiterung) darzustellen. Sie traten gelegentlich gleich unter Pseudonym auf, was allerdings fallweise völlig sinnlos war, da man sehr leicht zurückverfolgen konnte, wer sich z. B. hinter einem Herrn "Peeman" verbarg. So hatte dieses spezielle, dem Rest der Masse  intellektuell weit überlegene Musterexemplar doch kurz zuvor doch unter taucher.net ein Stellengesuch als Basenhiwi geschaltet und dabei sein Pseudonym und seinen Realnamen verwendet. Ein sehr intelligenter Schachzug, wie ich finde. Ein weiteres schönes Beispiel für einen PADIisten findet sich hier .

Weiter konnte man beobachten, dass bestimmte Arten des ehemaligen Sporttauchens immer mehr in Vergessenheit gerieten: Dekotabellen und das Dekotauchen waren vielen nicht nur ein böhmisches Dorf sondern gleich mehrere, stattdessen wurde der Tauchcomputer als das Sicherheitsinstrument der taucherischen Neuzeit verehrt, mit dem man ja so schön an der Nullzeit entlang tauchen könne. Wahlweise wurde sogar versucht herzuleiten, dass ein "PADI-Wheel" zum "richtigen" Tauchen durchaus ausreichend sei. Tiefere Tauchgänge als 30m, max. 40m wurden in der Folge konsequent verpönt und die Protagonisten althergebrachten Sporttauchens als alterstarrsinnige Spinner gebrandmarkt, die "sich wohl schon am Stickstoff" das Hirn herausgetaucht hätten. Dazu gab es regelmäßig schockierte Antworten, wenn Leute davon berichteten, dass sie gerade im Mittelmeer 80m tief getaucht waren (was diese Herrschaften nachweislich seit über 30 Jahren tun)

Und wenn die Diskussionen dann letztlich sachfremd wurden, was häufig sehr schnell geschah, gab es ein probates Mittel für jene, die wenig wussten, endlich doch einmal aufzutrumpfen: Die Softwarekomponente. Wie geht das? Nun, der vom Anwender verwendete Newsreader war immer ein gut geeigneter Stein des Anstoßes, um Autoren, denen manch chronisch desinformierter Tauchanfänger fachlich nichts am Zeug flicken konnte, weil das als PADI OWD mit einem Jahr Erfahrung und 50 TG im Log eben noch nicht geht, doch noch ans Leder zu kommen. Die vom Autor eines Beitrages für die Erstellung der Nachricht verwendete Software wird nämlich in den Code eben dieser Nachricht eingearbeitet und ist daher leicht sichtbar zu machen, wenn man den Quellcode des Übertragenen betrachtet. Es ist daher eine leichte Übung, herauszufinden, welches Pogramm unter welchem Betriebssystem ein Gruppenteilnehmer benutzt. War dieses in den Augen der Netzpuristen und Nulltaucher das Falsche (i. e. also Windows oder ein darauf basierendes Produkt), ging es los. Und zwar richtig.

Das taucherische Nullum konnte dann auf dieser Basis fortan die schönsten Angriffe lancieren, auch wenn es rein gar nichts zum Tauchen wusste und dem tauchspezifischen Wissen des jeweiligen "Gegners" hoffnungslos unterlegen war. So wurde manch fachlich versierter Autor von einer Neutaucherpappnase vorgeführt (oder es wurde zumindest versucht, was aber beim fachkundigen Publikum allerdings höchstens ein mildes Lächeln hervorbrachte, wenn sich der frischgebackene "Tauchexperte" ein Eigentor nach dem anderen reinsemmelte!). Der Grund für Angriffe der beißwütigen Kleinterrier war hier einzig und allein die Tatsache, dass der netzunerfahrene aber fachkompetente Alt-Taucher es wagte, seine Nachrichten eben mit dem einschlägigen (und hochgradig verhassten) Produkt von Microsoft (von den "Profis" gerne auch "Micro$oft Oje" geschrieben) in das Netz zu stellen. Dass derlei natürlich nichts mehr mit Tauchen zu tun hatte ist selbstredend, schreckte aber die mental restringierten Pseudotaucher nicht davon ab, selbigen Weg immer wieder zu beschreiten.

Andere verlegten sich in ihrer schier grenzenlosen Argumentationsnot auf völlig hilflose Versuche, pseudo-formale Logik für sich zu nutzen, wenn sie einem guten Fachautor inhaltlich nichts mehr entgegen zu setzen hatten. Die Beiträge des Minderinformierten strotzten dann vor Formulierungen wie "Das habe ich nicht gesagt", "Wo liest Du das...", "Was verstehst Du...?", "Wo kommt denn das her...?", "Das war überhaupt nicht das Thema.", etc. Es gibt eigentlich nur zwei Erklärungsmuster für diese haltlosen Versuche eine Diskusssion zu "gewinnen": Entweder kann der Kommunikationsexperte seine Gedanken anderen Personen nicht adäquat sinnstiftend vermitteln und fühlt sich deshalb immer falsch verstanden oder er merkt im Laufe der Diskussion, dass er gerade gravierend auf dem Holzwege war und versucht jetzt, den anderen sein soeben getägtes Wort im Mund herum zu drehen. Egal für welche Alternative man sich entscheidet, das Ergebnis war immer reine Zeitverschwendung.

Sinnloses Bla-Bla in Hülle und Fülle, das gab es jedenfalls immer wieder in dieser Form zu lesen. Und das genau dann, wenn das arme Scubawürstchen schon lange untergegangen war, aber nichtsdestotrotz immer noch tapfer weiter kämpfen wollte. Nichts ist nämlich peinlicher als der gnadenlose Gesichtsverlust zelebriert vor großem Publikum. Die Herrschaften bedienten sich ab dieser Schwelle dann einer starren Regeln folgenden Pseudologik (die sie selbst wahrscheinlich als Resultat von überragender Intelligenz gesehen haben wollen) und die Diskussion glitt dann unhaltbar ins Inhaltslose, ja nachgerade Dämliche, ab. Nicht sehr erbaulich, besonders wenn man fachlich gerne etwas lernen wollte. Aber aus dem Gequase konnte man stets nur eines lernen: Dass es Menschen gab, die noch viel, viel doofer waren als man selber. Und das beruhigte wiederum ungemein...

Positiv an Newsgruppen ist indes, dass von den regelmäßigen Teilnehmern der Gruppe der Konsens vertreten wird, dass eine Person ihre Beiträge gefälligst unter ihrem richtigen Namen zu veröffentlichen habe. Es schlagen zwar auch immer mehr "deepdivers", "Nitroxdivers", "Scubajohnnies", "-dudes" oder "P...men" und andere Quatschnamen mehr auf, aber insgesamt hält sich diese entweder auf dem CB-Funk oder in den "Internetchatrooms" entstandene Unsitte doch sehr im Rahmen. Der Vorteil der verwendeten Programme (Newsreader) liegt zudem auch darin, dass man bestimmte Leute einfach aufgrund bestimmter Merkmale ihrer Nachrichten ausfiltern kann (der Name ist eines davon) und so deren Blödsinn dann nicht mehr zu lesen genötigt ist. Und wer keinen richtigen Namen hat wird nicht ernst genommen.

Verlassen wir aber nun die Newsgruppe und kommen zum Abstieg ganz nach unten....

WWW-Foren

Für die Netznutzer, die tiefer einsteigen wollen, was das Diskussionsniveau betrifft, sind Webforen sehr gut geeignet, um schnell und unkompliziert Bodenkontakt aufzunehmen. Allen voran ist hier das bekannte taucher.net zu nennen. Hier trifft sich die versammelte Ahnungslosigkeit in Gestalt modern ausgebildeter PAID-Taucher zum fröhlichen Ringelreihen. Ein bis an die Grenzen der Schmerzbelastung reichendes Herumwühlen in den intellektuellen Niederungen von Volkes Geist und Stimme. Natürlich impliziert das in unserem Grundgesetz verbriefte Recht auf freie Meinungsäußerung logischerweise auch das der sinnfreien Meinungsäußerung. Und davon wird bei taucher.net gerne und häufig Gebrauch gemacht.

Die Krönung dieser multiplen Mentaldegeneration sind die beiden Foren "Unfall" und "Tekdiving". Mein Tipp: Unbedingt ansehen! Das "Unfallforum" ist zwar seit einiger Zeit überwacht (man muss sich registrieren lassen, um dort veröffentlichen zu können), das tut dem dort praktizierten geistigen Dauertiefflug allerdings keinerlei Abbruch. Zu diesem datentechnischen Super-GAU kommt man von der Startseite => Diskussion => Unfälle.

In diesem tauchunfallbezogenen elektronischen Besprechungszimmer (das seinen Namen wohlgemerkt von dem dort behandelten Themengebiet ableitet und nicht von den Beiträgen der Autoren und deren Qualität!) bespricht die Generation "P." aufgetretene Tauchunfälle. Das Ganze hat nur einen winzig kleinen, und damit absolut vernachlässigbaren, Haken: Von denen, die dort zu spezifischen Tauchunfällen schreiben, war keiner bei dem jeweiligen Unfall unter Wasser anwesend. Ungschickt, aber auch. Aber nur ein winziges Manko, das die Beteiligten aber Gott sei Dank nicht davon abhält, munter herum zu spekulieren, welcher Sachverhalt warum bei welchem Tauchunfall zu den jeweiligen schrecklichen Konsequenzen geführt haben könnte.

Die Zutaten des schwer verdaulichen Unfallcocktails sind i. W. vorgeschobene Beleidsbezeugungen, Spekulationen zu Ursache und Verlauf des Falles sowie post mortem angestellte Hinweise zur möglich gewesenen Verhinderung des traurigen Ereignisses. Das sind hier die Themen, aus denen die Alpträume sind. Gelegentlich schießen die Spekulationen derart ins sprichwörtliche Kraut, dass man als unbedarfter Leser erhebliche Zweifel am Geisteszustand der dort agierenden Protagonisten modernen Hobbytauchens hegen muss. Sachkenntnis? Nicht notwendig, denn "Sachkunde kann eine lebhafte Diskussion nur behindern" formulierte einst Uwe Stöckel in d.r.s.t. Und das gilt in besonderem Maße für das Taucher.Netzzzzzzz (TM). Es könnte sogar der Leitsatz dieses unfallbehafteten Forumssammelsuriums sein.

Ein Beitrag in diesem Unfallforum folgt i. d. R. (siehe oben) einem standardisierten Schema. Dieses gliedert sich in 3 Hauptphasen: Am Anfang sollte stets die Beileidsbezeugung stehen, sie kann aber noch in die Mitte der Diskussion eingebaut werden wenn ein Angehöriger des Opfers die Bühne betritt. Diese Beleidsbekundung wird am besten in Form der Floskel " Mein Beileid (wahlweise auch mit "t" am Ende) den Angehörigen. " dem Publikum kund getan.

Nach dieser kurzen inhaltlichen Einstimmung und der damit verbundenen emotionalen Identifikation des Autors als eindeutig "betroffen", folgt auf dem Fuße der rein spekulative Teil, der die mutmaßliche Genese des Unfalles thematisiert (= Erklärung der Unfallursache ). Man mündet nun zügig in die Fragestellung ein: "Durch was wurde der Unfall ausgelöst?".

Hier sind verschiedene Standarderklärungsmuster verfügbar, wobei Mehrfachnennungen, auch einander grundsätzlich ausschließende, problemlos möglich sind. Um nur die wichtigsten anzuführen:

  • "Mit Sch....-Ausrüstung getaucht."
  • "Der Taucher war halt noch Anfänger."
  • "...wahrscheinlich hatte er einen Krampf"
  • "...miese Ausbildung gehabt..."
  • "auf 40 Metern mit Luft? Wahnsinn! Das musste schief gehen!"
  • "...typischer Gerätefehler!"
  • etc....
Dann kommen als letzter Teil die Vorschläge zur Verhinderung des Unfalles. Hier verbleibt die Kundgabe allgemein höchst sachdienlicher Hinweise wie:
  • "...mit Trimix wär' das nicht passiert!"
  • "...nur kaltwassertaugliche Regler verwenden!"
  • "...nicht so tief gehen!"
  • "...genug trinken vor dem Tauchen!"
  • "...immer vorher 'Buddycheck' machen!"
  • etc.....
Leute, die ihren 30. Tauchgang bereits seit kurzem hinter sich haben, verfassen nun gleich elaborierte Romane, wie man sich prophylaktisch zum Behufe der Unfallabwehr fürderhin verhalten solle. So las man jüngst in jenem Forum in epischer Breite einen von einem "AOWD-Taucher" unterzeichneten Text (Ein Mensch übrigens, der mit mit dem unheimlich vielsagenden Nutzernamen "tauchero_15" auftrat und der wohl das jüngst entdeckte Hobby und das jugendliche Alter des Autors beschreiben soll) einen längeren Beitrag , wie man sich am Bodensee (genauer auf der Seite der Marienschlucht, die er allerdings mit der "Katharinenschlucht" verwechselte, was aber nichts ausmacht!) angesichts der dort anzutreffenden Steilwände verhalten solle. Das, was in diesem Text, man möchte fast sagen, "erbrochen" wurde, spottet jedweder Beschreibung. Altbekannte Allgemeinplätze verknüpft zu einer schwer zu beschreibenden Aneinanderreihung gehaltloser grammatikalischer Strukturen.

Bei den Unfalldiskussionen auf taucher.net ist stets maximal nur der erste Beitrag lesenswert, wenn überhaupt. Dieser rekurriert normalerweise auf eine Pressenotiz in einer Zeitung, die sich online lesen lässt. Ab dem zweiten Beitrag ist alles Datenmüll hoch zwei. Ausnahmslos.

Damit Sie sehen, dass die vorher gemachten Aussagen und die obigen Zitatfetzen (so schlimm diese erscheinen mögen) keineswegs einer kranken Phantasie entsprungen sind, möchte ich, quasi als Beleg, ein beliebiges Beispiel für eine Diskussion im "Unfallforum" von taucher.net kurz aufzeigen. Falls Sie ganz hart im Nehmen sind, schauen Sie sich das doch einfach mal die Fülle der dort erbrachten geistigen Leistung im Volltext an. Hier geht's zur Diskussion .

Thema dieses nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Datenunsinns war ein Tauchunfall in einem zugefrorenen ostdeutschen Stausee Anfang März 2004. Die Einleitung begann mit dem Zitat eines Zeitungsartikels, in dem berichtet wurde, dass ein Ehepaar beim Eistauchen in dem betreffenden Gewässer tödlich verunglückt sei. Daran schlossen sich folgende Kommentare von einer größeren Gruppe offensichtlich absoluter Tauchanfänger an, was man vom fachlichen Gehalt der Aussagen sehr gut ableiten kann.
 

A: Moin, gab es denn keine Leinensignale zwischen Tauchern und Sicherungskräften. 2 Taucher werden in 2 Meter Tiefe nicht einfach bewußtlos ohne ein Signal zu geben. Bei 2 Meter Tauchtiefe und vorhandener Leinensicherung ist so ein Unfall(??) schon mehr als ungewöhnlich.

B: [...]Für mich vermute ich: Fehler im Gasgemisch bzw. diese durch Füllung ?!!

C: Was durchaus auch interessant wäre: hatten die Beiden auch Eistaucherfahrung?

D: wie sieht es denn mit der Ausrüstung aus?  Regler kaltewassertauglich?  beide identische Modelle? und und und?

E: Was hatten sie Mittag gegessen und getrunken?  Und wie X schreibt die Flaschnfüllung wäre auch  sehr interessant

OK; das ist schon eine ziemlich starke Ladung. Aber es kam noch dicker: Ein humangenetischer Freestyleentwurf, der rein vom äußerlichen Phänotypus wohl gerade noch zur Spezies "homo sapiens sapiens" (wobei lat. "sapiens" "wissend" bedeutet, was hier aber wohl offensichtlich nicht der Fall sein kann) gehören dürfte, schlug dann noch vor "Warten wir doch mal ab, ob die beiden sich hier melden, wäre schon lehrreich." Ich frage mich nun: Wie sollen sie sich denn melden, wenn sie bei dem Unfall leider verstorben sind? Wird jetzt über das Tauchernetz eine spiritistische Sitzung mit Händchenhalten und Stühlerücken anberaumt, um Kontakt mit dem Jenseits aufzunehmen und den Unfall final aufzuklären?

Weiter ging es in ähnlich brachialer Weise:
 

F: Um das Ganze noch mysteriöser zu machen: Die beiden Verunfallten sollen laut Basisleiter keine Regler mehr im Mund gehabt haben, als sie rausgezogen wurden. Wenn nicht der 15jährige Sohn des Ehepaars draußen auf seine Eltern gewartet hätte, würde ich ja meinen, das deutet auf Selbstmord hin.

G: Ich kann mich X nur anschließen, nach so kurzer Zeit tippe ich auf CO Und wenn doch mal ein Kompressor den Ansaugschlauch am Auspuff hat, dann wären doch sicherlich mehr Tote zu beklagen

Den Rest dieser durch fast nichts mehr zu steigernden Ignoranz möchte ich der Leserschaft ersparen. Das sinnlose Geschreibe dieser PAID-Taucher zog sich über fast 3 Wochen hin (ich frage mich: "Wer kann sowas durchhalten???") und läuft wohl immer noch. Es stellt sich wirklich die Frage, was im Kopf von Menschen enthalten sein muss, die so einen unsäglichen Unsinn völlig unbedarft in der Öffentlichkeit äußern. Gut, die meisten veröffentlichen sinnvollerweise sowieso nur unter Pseudonym. Da bleibt man als notorischer geistiger Tiefflieger für die Masse unerkannt. Es scheint wirklich keinerlei Schamgrenze in der Gesellschaft der rigorosen Selbstoffenbarer existent zu sein. Beenden wir also diese Betrachtung an der Stelle besser.

Über das "Tek"-Forum auf dem taucher.netzzzz muss man dann nichts weiter schreiben, es geht dort ähnlich niveauvoll zu. Hier daher nur ein paar Auszüge .

Anzumerken wäre schließlich noch, dass in den webbasierten Foren, wie vorstehend bereits kurz angedeutet, kaum einer seinen richtigen Namen verwendet. Man benutzt sog. "Pseudos", also Spitznamen, die teilweise so lächerlich sind, dass schon ihre schiere Kenntnisnahme mit erheblichen Schmerzen verbunden ist. Die Verwendung solcher Tarnnamen erscheint indes in höchstem Maße angezeigt, damit der Unfug, den man in das Forum einstellt, nicht zur nachhaltigen Diskreditierung der eigenen Person innerhalb der Tauchergruppe, in die man sich gerade erfolgreich hineinsozialisiert hat (i. d. R. aus OWDs aus dem gleichen PADI-Kurs bestehend) führt, da diese Frischlinge ja auch nur das taucher.netzzzz (TM) lesen.

Maillisten

Maillisten sind E-Mail-Systeme in die man sich mit seiner Mailadresse einschreibt (daher der Name). Eigene Beiträge werden an einen sog. Listenserver geschickt, der die E-Mail-Adressen aller Teilnehmer gespeichert hat. Er leitet die Meldung eines Mitglieds dann per Wurfwendung an alle angeschlossenen Funkhäuser weiter. Taucherlisten gibt es im deutschsprachigen Raum eine Menge. Die bekannteren dürften jene in YAHOO sein, wo sich jeder zu seinem Lieblingsthema eine Gruppe einrichten darf. Hier gibt es m. W. zwei Gruppen, die sich mit Tauchen beschäftigen:

Die erste der beiden Listen beschäftigt sich mit allgemein eher weniger gehaltvollem Gerede zum Thema " Techtauchen ". Dort wird fabuliert über "Scooter" (ist das nicht diese komische Band mit dem weißblonden Brüllsänger?), irgendwelche Höhlen in die man demnächst hinein will, tote Techtaucher, die man im Gegenzug jüngst aus Höhlen gezogen hat (denn "sicher" ist "Techdiving" mitnichten). Weitere Themen sind "Rebreather" (am liebsten das "Buddy Inspiration"), kombiniert gerne auch mit dem Thema "tote Techtaucher" (zeitweise schlägt alle paar Tage eine Meldung über eines neues Opfer dieses Wundergerätes auf). Ein weiteres wichtiges Thema ist natürlich " DIR ", man ist schließlich "tech".

Gerade die intellektuelle Auseinandersetzung mit den nicht gerade wenigen Opfern der "Techszene" (wie gesagt, eine Todesmeldung pro Woche ist fast Standard) verlangt manchen der dort schreibenden Oberklassetauchern alles ab. Besonders die hohe Opferzahl der BuddyInspiration bringt deren enthusiastischen Nutzer teilweise in arge Bedrängnis, ihren Gegnern zu erklären, warum ihre geliebte gelbe Elektrobox trotzdem ein Superding sei.

Auch die Stellungnahmen zu anderen Inhalten sind hochinteressant: Gelegentlich verwechselt z. B. mal einer "verzinnen" und "verzinken" wenn es um Korrosionsschutz an Tauchflaschen geht, man droht sich bisweilen rechtliche Schritte an oder entschuldigt sich bei der Allgemeinheit für vorher getätigte Äußerungen um derartige rechtliche Schritte prophylaktisch abzuwehren und ähnlicher wenig erbaulicher Unsinn mehr. Im Extremfalle werfen sich zwei Personen, die sich nicht besonders wohlgesonnen sind, mehrere Tage Schmähungen an den Kopf.

Andere verwundern die Allgemeinheit, indem sie selbst definierte Dekompressionstheorien zum Besten geben, gerne auch einbeziehend hohe Partialdrücke anderer inerter und nicht-inerter Gase in bunter Mischung, merken dabei aber nicht, dass sie schon kilometerweit auf Holzwegen laufen, weil ihre tollen Thesen und die Gaskinetik ziemlich inkompatibel sind.

Da aber pro Zeiteinheit meistens nicht viele Nachrichten in der Gruppe erscheinen, sind derartige Fehlleistungen locker wegzustecken. Dies gilt zumindest bis auf jene Zeiten, wo ein bestimmtes Thema hochkommt (i. d. R. "tote Techtaucher" anlässlich eines neuerlichen Tauchunfalles, wo mal wieder einer dieser "exzellent ausgebildeten" "technischen Taucher" sich selbst aus dem genetischen Fundus der Menschheit eliminiert hat) und selbiges dann in allen denkbaren Varianten durchdiskutiert wird, indem sich die 3 oder 4 Schreiber der Liste in einer Art verbaler Eruption Unmengen an geistigem Unflat an den Kopf werfen und sich dadurch ihren Frust von der Seele schrei(b)en, weil's halt doch arg weh tut, langsam zu erkennen, dass man mit der These "Techdiving" sei das einzig sichere Tauchen, vermutlich der größten taucherischen Mogelpackung des noch jungen Jahrhunderts aufgesessen ist. Diese Liste scheint insgesamt ein Indiz dafür zu sein, dass man auch mit einem IQ weit unter 100 durchaus auch sog. "Techtauchen" betreiben kann.

Das primär Lesenswerte in dieser Gruppe sind indes die häufig vorgebrachten Beleidigungen der Gruppenmitglieder untereinander s. o.), die einem Vokabeln bescheren, die man bis dato definitv nicht kannte. Des Weiteren kann ich mich beim Lesen dieser Liste generell des Eindruckes nicht erwehren, dass Deutsch nicht unbedingt die Muttersprache der dort veröffentlichenden Personen sein muss: Das Geschreibsel ist ein Sammelsurium grammatikalischer und sprachlicher Fehler auf allerhöchstem Niveau: Die 4 Fälle der deutschen Sprache werden bunt gemischt verwendet, meistens allerdings nicht zur rechten Zeit am rechten Ort, es wird mit Anglizismen geworfen, dass es kracht ("er hat seine Loop gecleared") und Sätze bzw. deren Inhalte erschließen sich erst nach dem 3. oder 4. Lesen oder fallweise überhaupt nicht. Die Groß- und Kleinschreibung existiert zwar, allerdings werden die  grammatikalischen Regeln dabei weitestgehend unbeachtet gelassen, etc. Diese Gruppe könnte man wohl getrost in [tec-legasthenie] umbenennen. Insgesamt scheinen die Schreiber dort nicht der geistigen Elite des deutschen Sprachraumes zugehörig zu sein.

Ist die Techgruppe wenig spektakulär, hat es die zweite Gruppe absolut in sich: Auf " kamikazetauchen ", wo es nach Beschreibung des Gruppenthemas primär um Inhalte gehen soll wie "Solotauchen", "Tieftauchen mit Luft" etc., also alles Inhalte, die ziemlich gut auch in den Rahmen dieser Webseite passen, hat sich diese Gruppe in der Praxis wohl eher in Richtung "Eigenwillige Tauch- und sonstige Praktiken" orientiert. Themen sind hier zum Beispiel "Eistauchen ohne Leine", "Tauchen unter Alkoholeinfluss" und dergleichen mehr.

Um eine Einschätzung zu gewinnen, welches Kaliber dort anzutreffen ist, hier ein ganz kleiner Auszug. Ein Autor veröffentlichte jüngst im Rahmen der Liste einen Beitrag, den ich hier aus Gründen der Dokumentation im Volltext zitieren will. Wie gesagt, es handelt sich um ein unverändertes Originalzitat, der wirkliche Name des Autors ist leider (oder "Gott sei Dank"???) nicht bekannt.
 

Autor: Jungtaucher
Thema: [kamikazetauchen] Re: Saufen unter Wasser
Beitrag habe mal zwei tschechische Taucher gesehen, die bereits vor dem  Tauchen so voll waren, daß sie es kaum hinbekommen haben, ihre Ausrüstung anzulegen. Die haben es dann aber doch noch geschafft in Wasser zu kommen. Hätte die beiden irre gerne begleitet.

Auch ich bin auf der Suche nach dem totalen Kick unter Wasser, obwohl ich ja noch Anfänger bin. Suche immer noch einen Meister, der mich ins Kamikazetauchen einführt. 

Besonders geil stelle ich mir die Kombination aus Tieftauchen, Alkohol und gefesselt sein vor. Hätte nichts dagegen mit vollem Equipment an einen Froschmann festgebunden zu werden, so daß ich unter Wasser nicht abhauen kann, uns dann gemeinsam mit Alk zuzuknallen und dann schnell richtig tief runterzugehen.

Jungtaucher 

Lassen wir dies einfach mal unkommentiert so stehen und begreifen es als Wahrnehmung des Rechtes auf ( sinn )freie Meinungsäußerung gem. Art. 5 GG.  ;-)))

Weitere Themen dieser Liste sind "Kämpfen unter Wasser" (wir erinnern uns: "Gewalt ist die Kapitulation des Geistes", Fr. Nietzsche), "Ertränkungsspiele" aller Art (was auch immer das sei... Hier ein kleiner Textauszug, veröffentlich von einem Herrn "Jürgen": " Hi, suche für Ertränkungsspiele im Sommer einen Schwulen oder Bisexuellen Taucher, der mit mir Nachts in einem Baggersee ins Wasser geht [...]" Rest der Nachricht gelöscht, da nicht mehr jugendfrei) und andere lustige Dinge mehr. ;-)))

Fazit

Bei den Taucherforen im Internet ist für jeden etwas dabei. Wer gerne seine Fachkenntnisse erweitern möchte, dem seien die Newsgroups anempfohlen auch wenn dort die Qualität nicht mehr so wie vor einigen Jahren ist und man den vielen täglich erscheinenden Müll vom wenigen Lesenswerten mühsam mit der Hand separieren muss (wir leben eben im Zeitalter der Mülltrennung ;-))). Wer sich dagegen gerne unteres Mittelmaß bis absolute Bodenlosigkeit antun will, der benutze die WWW-Foren (am besten taucher.net , da ist am meisten Datenverkehr) und wer es exotisch bis bizarr mag, der sehe auf den einschlägigen Listen nach. Und wer den ganzen Quatsch nicht will, der verschwende seine Zeit nicht und lese stattdessen ein gutes Buch.