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Safaga (ORCA Tauchbasis)

(Dez. 2002/Jan. 2003)

Einleitung

Unsere Wahl fiel diesmal, nach den unschönen Erlebnissen vor einigen Jahren in der dem Hotel Lotus Bay angegliederten Basis von Herrn Mahmoud, auf die dem Hotel nördlich benachbarte ORCA-Basis . Unsere Unterkunft im Lotus Bay hatten wir per E-Mail direkt über das Hotel gebucht. Flüge von Egyptair vermittelte uns Tour active in Frankfurt/Main. Ein Flug kostet zur Zeit 458 Euro.

Bei ORCA empfiehlt es sich, per E-Mail das Tauchpaket vorzubuchen, so kostet ein 6 Tage * 2 TG/d-Paket statt 210,- Euro dann nämlich nur deren 190,-.

So kamen wir also am 28.12.2002 pünktlich mit dem Samstagflug der Egyptair gegen 21:30 in Hurghada an, wo wir bereits von einem Mitarbeiter vom Hotel erwartet wurden. Dank dessen glänzender Beziehungen zu den örtlichen Flughafenbehörden dauerte unsere Einreise nicht einmal 20 Minuten. Der Transfer nach Safaga (auch über das Hotel gebucht) verlief ebenso reibungslos, so dass wir gegen 23:00 Uhr im Hotel eintrafen, wo uns noch ein kleines Essen serviert wurde. Die Anreise gestaltete sich insgesamt erfreulich zügig und reibungsfrei.

Das Hotel

Das Lotus Bay ist ein rundherum empfehlenswertes Hotel. Die Zimmer sind geräumig, gut ausgestattet (z. B. mit Fernseher) und der Zimmerservice arbeitet perfekt. Sauberkeit ist in den Zimmern wie im gesamten Hotel kein Thema. Eine Übernachtung kostet pro Person und Nacht 41,- Euro.

Morgens gibt es ein abwechslungsreiches Frühstücksbüffet, abends ist die Speisenauswahl ebenso reichhaltig. Sicher ist das Lotus Bay die beste Wahl der Hotels in diesem Abschnitt von Safaga.

Die Tauchbasis

Die ORCA-Basis in Safaga zählt, neben den bekannten "Taucherverschiebebahnhöfen" wie "Big & Mac" oder "Moni's bunte Taucherwelt" in Hurghada, zu einer der größeren am Roten Meer. Sie besitzt mehrere eigene Boote, von denen jeweils 4 während unseres Aufenthaltes jeden Tag ausfuhren.

Die Anzahl der Taucher auf den einzelnen Booten war so gehalten, dass es zu keinen größeren Platzproblemen an Bord kam. Erst als einige Auszubildende eines "Deep-Air-Tekk-Diver"-Kurses mit ihren riesigen Flaschenbatterien und Tauchgeräten an Bord aufschlugen, wurde es auf dem Tauchdeck doch etwas eng. Da die Herren Tekkks-in-spe allerdings die meiste Zeit im Salon des Schiffes über irgendwelchen Unterlagen brüteten, war der Tauchbetrieb nur gering belastet.

Als Flaschen gibt es solche aus Stahl mit 12 Litern Volumen und für Erwachsene gibt es zusätzlich (kostenfrei) 15-Liter-Geräte, ebenfalls aus Stahl und in ausreichender Anzahl. Jeder Taucher erhält zusätzlich eine Plastikbox für die Ausrüstung, diese wird von Basenmitarbeitern auf Rollwagen von und zu den Booten gebracht.

Ablauf eines Tauchtages

Die Boote verlassen den Anlegesteg jeweils um 8:30 Uhr. Rückkehr zum Anlegesteg ist zwischen 16:00 und 17:00 Uhr.

Die Basis nennt als Randbedingungen für den Tauchbetrieb die mittlerweile bei allen Basen am Roten Meer üblichen Beschränkungen, die bei ernsthaften und erfahrenen Sporttauchern natürlich nicht gerade Begeisterung hervorrufen: 40 Meter max. Tiefe, keine Deko-TG, keine Handschuhe. In der Praxis sah es dagegen so aus, dass trotzdem ein individuelles Tauchen möglich war, da bei erfahrenen Tauchern kein "Guidezwang" besteht. Tauchbegleitung ist allerdings obligatorisch, wenn ein Taucher noch keine 30 TG geloggt hat, was insgesamt vernünftig ist. Mit 30 TG ist man immer noch blutiger Anfänger. (Angesichts der bei so geringen Tauchgangszahlen noch völlig fehlenden Erfahrung sicherlich eine sinnvolle Regelung.)

Sogenannte "Early-Morning-Dives" werden ebenfalls offeriert, wobei dann auf dem betreffenden Boot auch ein Frühstück angeboten wird. Auch separate Nachttauchgäge sind möglich. Über Preise können wir nichts sagen, da wir unseren Stickstoffbedarf bereits in zwei Tauchgängen pro Tag vollkommen decken konnten. ;-))

Eine Tauchzeitbegrenzung gibt es auf dieser Basis nicht. Der Guide fragt nur vor dem Tauchen ab, wie lange die Tauchgruppe unter Wasser zu bleiben gedenkt, damit er abschätzen kann, wann er die Gruppe zur Fahndung ausschreiben lassen muss.

Wir konnten völlig autonom tauchen und uns teilweise auch mit dem Zodiak an weiter entfernte Einstiegspunkte fahren lassen, von wo aus wir jeweils zum Schiff zurücktauchen konnten. Aufgrund der Tatsache, dass wir meist die einzigen waren, die diesen Service nutzten, der pro Fahrt mit 2 Euro pro Person berechnet wird, begegneten wir während unserer Grundzeiten meistens keiner einzigen anderen Tauchgruppe.

Ein Tauchtag besteht, wie in Ägypten üblich, aus 2 Tauchgängen, die durch eine etwa zweistündige Mittagspause getrennt werden. Hier gibt es das von ägyptischen Tagesausflugsschiffen bekannte Mittagsangebot in Gestalt eines gut schmeckenden und abwechslungsreichen Essens zum Preis von 15 ägyptischen Pfund (LE), also momentan ca. 3,50 Euro. Getränke werden ebenfalls angeboten, Mineralwasser (1,5 l) kostet 3 LE, Cola (0,25 l) kostet 2 LE.

Die Basis verfügt über ausreichend Stauraum für die Ausrüstung aller Gäste. Zusätzlich gibt es die übliche Taucherbar, wo Tauchnovizen ihre schönsten Unterwassererlebnisse mit ihrer Umgebung bei einer Flasche Stella (7 LE) teilen können. Wir haben von diesem Angebot jedoch keinen Gebrauch gemacht, da wir im Laufe unseres Taucherlebens diese Geschichten inzwischen bereits erfolgreich auswendig kennen gelernt haben. ;-))))

Das Publikum

Auf der ORCA-Basis waren unserer Beobachtung nach die meisten Taucher eher den Anfängerniveaus zuzuordnen. Die Tauchbasis verstand es allerdings sehr gut, die Tauchplätze so auszusuchen, dass dabei alle Stufen von taucherischem Können berücksichtigt wurden.

Auch hier fiel uns wieder auf, welch eigenartige Menschen heute manchmal den Tauchsport ausüben. Den Vogel abgeschossen haben in dieser Hinsicht die Teilnehmer der bereits oben erwähnten Veranstaltung zu Thema "Einführung in das sog. Technische Tauchen ". Dieses Seminar trug wohl den Untertitel "Wie überlebe ich Pressluft-TG jenseits der magischen 40-Meter-Marke?". Wenn gerade diese Fragestellung für alte Presslufthasen nicht besonders spannend ist, so schien diese Problematik bzw. deren theoretische und praktische Bewältigung für die 3 anwesenden Tech-Jünger mit nicht unerheblichen Schwierigkeiten assoziiert gewesen zu sein.

Der erste Problemkomplex ließe sich unter einer eher logistischen Fragestellung subsumieren:"Wie bringe ich 80 kg Ausrüstung zum Boot, ohne zu sterben?". Antwort: Die dienstbaren Geister der Basis erledigen dies mit schmerzverzerrtem Gesicht und unter Aufbietung ihrer letzten Kräfte. Waren diese Basen-Hiwis körperlich am Ende oder schlicht abwesend, mussten die Tekkstudenten auch mal selbst anpacken. Mit einer Überwachungskamera konnten diese beiden Tekk-Azubis eingefangen werden, deren Gesichter aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes unkenntlich gemacht wurden:

Tekkkkkk-Equipment ist wohl ziemlich schwer...

Das nächste Problem konnte allerdings nicht mehr unter Rückgriff auf Basen-Hiwis gelöst werden, da es jetzt richtig kompliziert wurde. Dieser Themenkreis lautete nämlich: "Wie bewege ich mich mit jeder Menge überflüssigen Materials (Reel und Back-up-Reel, Wings mit Doppelblase, unendlich viele Schläuche, Run-Time-Tables, Hebesäcke, Ersatzmasken etc. ppp.) unter Wasser, ohne das Opfer meiner eigenen Ausrüstung zu werden?" Nachdem diese Fragen in unendlich langen gruppentherapeutischen Diskussionsrunden mit dem sog. Tekk-Instructor gelöst wurden, fanden letztlich die ersten Tauchgänge mit dem Ausrüstungsberg statt.

So begaben sich also 3 Tekkkk-Eleven samt "buddy-inspiriertem" Anweiser (Instructor) mit ca. 1 Tonne Material ins Wasser, um die ersten Tauchversuche dieser neuen Art, die willkürlich angenommenen Grenzen des heute so genannten "Sporttauchens", welches aber eher oft ein " Spott tauchen" ist, zu erkunden. Anschließend saßen sie also im Sand und machten in 10 Metern Wassertiefe die uns CMAS-Tauchern altbekannten Versuche:

  • Ablegen des Gerätes...
  • Anlegen des Gerätes....
  • Ablegen des Gerätes.....
  • Anlegen des Gerätes.......
  • Ablegen des Gerätes.......
  • Anlegen des Gerätes.........(Gähn!)
  • dann, dazu Maske absetzen später dabei
  • Hebesack starten (ohne sich oder andere zu strangulieren)
  • und vieles Lustiges mehr....
Krönender Abschluss war die Bewältigung der nicht zu unterschätzenden und bei näherer Betrachtung sogar immens schwierigen Aufgabe, das gesamte Material (ca. 1 Tonne, weil eben alles tech-mäßig redundant war ;-)) ohne Rücksicht auf die Wirbelsäule und andere Gelenke auch wieder an Bord zu stemmen. Manch einem der Herren gelang dies nicht ohne weiteres, wofür sicher auch der permanente Nikotinkonsum vor und nach dem Tauchen eine nicht unerhebliche Ursache gewesen sein dürfte. Ein beherzter Griff der Bootsbesatzung auf der Tauchplattform bewahrte dann den einen oder anderen Techjünger vor dem Problem, im Wasser überwintern zu müssen. Dies dann aber immerhin voll ausgerüstet....

Nach diesen Vorübungen kam es am nächsten Tage zum ersten richtigen, und von den "Neu-Tekkies" mit Spannung erwarteten ersten dekompressionspflichtigen Tauchgang. Hier wurden jedem alten Presslufttieftaucher und CMAS-***-Absolventen absolut neue Horizonte eröffnet ;-).

Während es bei diesen nämlich üblich ist, einen (Deko-)Tauchgang kompakt vorzubereiten und dann sehr zeitnah durchzuführen, scheint sich bei den Techtauchern die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass eine realistische Überlebenschance für solche Unterfangen nur dann besteht, wenn das Tauchvorhaben mehrere Stunden vorbesprochen, diskutiert, analysiert, alterniert und vor allem visualisiert wird. So wurde also anhand bestimmter Tabellen, diverser Rechenexempel, ausgefeilter Tauchgangsplanungsstrategien und aller möglichen Eventualitätsszenarien diskutiert, abgewogen und abschließend entschieden, ob, wann und wie getaucht werden solle. Klassische CMAS-Taucher wären zu diesem Zeitpunkt bereits seit 2 Stunden wieder an der Oberfläche gewesen oder befänden sich gerade noch auf den letzten ihrer völlig untechnisch (non-technically) geplanten Dekostopps.

Bei Tekkdivern, so konnten wir lernen, wird ein Tauchgang nach dieser minutiösen Vorplanung zusätzlich auf einem sog. "Run-Time-Table" fixiert und im Wasser genau so abgespult. Diese Tabelle gibt dann für jede Minute des Tauchgangs die entsprechenden Handlungen vor. So war in grausiger englischer Radebrechsprache z. B. zu lesen: "CHECK", "SWITCH", "BTM" und andere Vokabeln mehr, die eher an ein Computerprogramm in der Sprache BASIC zu erinnern geeignet waren, denn an einen Tauchgang. (Ach, übrigens: Das Bewundern von Flora und Fauna des Roten Meeres wurde dabei offensichtlich vergessen einzuplanen, und was auf der Liste nicht steht, wird auch nicht gemacht. Basta. Denn: "Plan your dive and dive your plan.“)

Hier ein Beispiel für Run-Time-Tables der Tekkies:

Tekk-Ausrüstung: Run-Time-Tables und Zigaretten

Anmerkung: Die im Bild gezeigten Zigaretten sind Grundausstattung von richtigen Techtauchern und werden, allen tauchmedizinischen Erkenntnissen zum Trotz, vor und nach dem Tauchen reichhaltig konsumiert. Die ausgebrannten Kippen wurden übrigens nach vollzogenem "Genuss", der gerne auch im Salon des Bootes stattfand und dort bisweilen die Atmosphäre einer Fischräucherei erzeugte, rücksichtslos über Bord geworfen und großzügig Neptun anvertraut. Ob der damit aber so viel Gutes anfangen kann, erscheint fraglich. Schildkröten kriegen von den Resten des Rauchgenusses jedenfalls übelste Magenverstimmung.

Und so gelang es, nach all den Mühen, den 3 Tekk-Schülern tatsächlich, unter tätiger Mithilfe ihres Anweisers (Deep-Air-Tekk-Instructor), einen Tauchgang auf einer Wassertiefe von sage und schreibe 45 Metern zu überleben. Ehrlich, wer hätte das geglaubt? Wir waren jedenfalls mit ungläubigem Staunen erfüllt, als wir erkennen mussten, dass sich sowas tatsächlich überleben lässt. Nein, nicht die Wassertiefe, die ist harmlos, die tauchen wir regelmäßig. Der Ausrüstungsberg, der war es, der uns Angst machte. ;-)

Wie in der Nachbesprechung allerdings durchdrang, hatte einer der Neutekkies doch wohl noch erhebliche Probleme, die geplanten Dekompressionstiefen einzuhalten. Na ja, vielleicht sollte man ja erst einmal einige Jahre Taucherfahrung sammeln und das Handwerkliche richtig üben, bevor man in der Öffentlichkeit den Tekkie geben will.

Zwischen den Tauchgängen sah man die 3 Tekkstudenten dann immer wieder permanent an ihren Ausrüstungen und Tauchgeräten herumschrauben, basteln, ziehen, zerren und werkeln. Ein Reel hier, oder doch besser dort? Ein Haken hier oder vielleicht noch ein zweiter dort? Was mach' ich mit dem Hebesack? Unters Kinn oder doch besser in die Pofalte? 'Nen Kabelbinder nehmen oder doch besser "surgical tubing"? "Suicide clips" oder besser "Tech-Karabiner"? Alles immens wichtige Fragen, auf die ein "normaler" Taucher nie im Leben kommen würde. Techtaucher können das. Absolut beeindruckend und ehrfurchtgebietend. Wie meinte doch ein Mittaucher: "Tech ist Schwachsinn, sieht aber geil aus!" ;-)))

Wir konnten uns jedenfalls des Eindruckes nicht erwehren, dass hier eine besonders innige Vertrautheit zwischen Mensch und Maschine eine essenzielle Vorbedingung für das Überleben unter Wasser ist. Die meisten auf dem Boot anwesenden Sporttaucher konnten sich über diese moderne Art des Tauchsports jedenfalls herzlich amüsieren. Und das ohne Aufpreis.

Wir sind jedenfalls gespannt, was die nächsten Jahren noch so kommt, auf dem Markt der taucherischen Möglichkeiten. "Tech-Schnorcheln" oder "Trimix-50-Meters" oder ein anderer Blödsinn vielleicht? Ich denke fast, es wird noch schlimmer kommen.


Kleiner Gag am Rande: Dieser launige kleine Text war einige Zeit in Auszügen auf den Seiten der Tauchschule Dresden zu sehen, die ihn von dieser Webseite (natürlich mal wieder ohne zu fragen und daher rechtswidrig da nolens volens unerlaubt) kopiert hatte. Der Seitenmacher der Tauchschule Dresden hatte sich interessanterweise jene Passagen des Aufsatzes herausgesucht, bei denen er als, wie ich später erfahren habe, einer der seinerzeit anwesenden drei Tekstudenten, doch eher weniger positiv dargestellt wird. Mein Fazit: Manche Leute merken anscheinend entweder gar nichts mehr oder haben einen Humor der um Zehnerpotenzen höher liegt, als meiner. Daher nochmal auch für Tek-Divers: Dieser Text ist eine sog. Realsatire ! Dahinter verbirgt sich folgende Kernaussage: "Wer unbedingt Techtauchen will, zeigt, dass er möglicherweise psychisch etwas im Ungleichgewicht sein könnte. Eine psychosoziale Betreuung könnte erwägenswert sein" ;-)).

Falls nötig: Ultimative Tekk-Brevets gibt es übrigens auch auf der Seite von Jürgen Seibel: http://www.diver.is-on-stream.de/tekdiving.html .